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Internet und Urheberrecht

Wenn man ein Buch kauft, so erwirbt man zunächst einen Gegenstand, dessen Materialwert man ziemlich genau ermessen kann. Papier muss man herstellen, binden usw. Außerdem wollen die Leute entlang der Wertschöpfungskette etwas verdienen. Doch dann kommt ein Faktor, der schwer zu fassen ist: das geistige Eigentum an den Worten und Geschichten, die sich der Autor einfallen lässt und die der Verleger verbreitet.

Auch hier gilt: je gefragter eine Idee oder Schreibe ist, umso wertvoller ist sie, zumindest monetär. Denn über den geistigen Gehalt ist im Preis nichts ausgesagt! Und auch wenn wir den kreativen und minder kreativen Menschen ihren Verdienst gönnen, stellt sich die Frage, wie sie das Geistige für sich in Anspruch nehmen können, als sei es ein Gegenstand, den man sich aneignen kann. Der Urheber ist eingebunden in ein Netzwerk, das ihn seine Geschichten und Texte gestalten lässt. Und urheberrechtlich geschützt kann nur wirklich eigenes. Und wie steht es mit der Frage nach der Freiheit der Gedanken? Zitieren darf man (nur so ist ein Gedanke erfolgreich!), aber bitte nicht für sich reklamieren. Aber ist teilweise Entnahme der Gedanken respektvoller als der Gesamtabdruck eines Werkes? Aber wieso ist erstes erlaubt oder gar erwünscht, wohingegen zweites unter Strafe gestellt wird? Es liegt an einem widersprüchlichen Aspekt des geistigen Eigentums: es wird wertvoller, je mehr es verbreitet ist. Also genau das Gegenteil dessen, was mit materiellem Reichtum geschieht. Gerade dieser Zwang, offen zu sein um wahrgenommen, geschätzt und anschließend gekauft zu werden, begünstigt die Nutzung ohne Bezahlung; zumindest prinzipiell. Denn sobald der geistige Inhalt in eine materialisierte Form verpackt wird, unterliegt er den Gesetzen des Handels. Willst Du was, musst Du zahlen. Das geht so lange gut, wie es technisch schwierig ist, sich die Form samt Inhalt problemlos anzueignen und zu vervielfältigen. Was geschieht aber im Internet, wo ein Text binnen Sekunden tausendfach vervielfältigt werden kann? Wo die Form für jeden relativ leicht zugänglich ist? Wo sogar das Programm, um aus CD - Musikdateien (*.wav) die um ca. ein Zehntel komprimierte mp3-Dateien zu erstellen, kostenlos runtergeladen werden kann 
(
www.musicmatch.com  ). Natürlich ist es genauso möglich, problemlos mp3-Dateien mit diesem Programm in wav-Dateien zu konvertieren, diese zu brennen und mit jedem handelsüblichen CD-Player abzuspielen.

Und seit die Plattenindustrie Napster verklagt hat, weiß jeder Depp, dass man mit dem Programm von Napster etwas kostenloses bekommt. Und es ist wirklich sehr einfach, sich da zu bedienen. Großartig kriminelle Energie ist nicht einzusetzen. Aber ist Napster das Ende der Musikindustrie? Eine einfache Antwort: ja. Denn mittlerweile gibt es zahlreiche Programme und gekrackte Napsterversionen, die sogar ohne einen zentralen Server arbeiten. Und da gibt es keine Zugriffsmöglichkeiten.
Raubkopierer und Raubkopien gab es immer schon. Die sind nicht das größte Problem der Musikwirtschaft; denn diese verursachten und verursachen zwar einen beträchtlichen Schaden, doch das bedrohte nie die Existenz der
Musikindustrie, denn es gab rechtliche Möglichkeiten dagegen vorzugehen. Doch seit es Brenner zu erschwinglichen Preisen gibt, ist die Produktion von Raubkopien dramatisch gestiegen. Und Napster mit seinen ca. 60 Millionen Nutzern weltweit untergraben den gesamten Markt. Wird zumindest von der Musikindustrie so konstatiert. In jedem Fall muss Musik in Zukunft neue Wege der Produktion und der Distribution finden. Und auch das Urheberrecht muss auf die technischen Gegebenheiten reagieren und Rahmenbedingungen schaffen. So sind verschiedene Modelle angedacht: zunächst muss Musik erstellt werden. Das ist Arbeit und muss entlohnt werden. Aber wer zahl wie viel und wofür? Das sind Fragen, die es zu beantworten gilt.

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