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Pic du Midi de Bigorre (2877m), Pyrenäen, eine Astroexkursion*

Reise vom August 1994

Schon seit längerer Zeit war eine Astroexkursion geplant. Nach 10monatiger Vorbereitung war es dann
endlich soweit. In den Nachmittagsstunden des 31.07.94 rollten zwei Wohnmobile mit 5 Astronomen in
Richtung Südfrankreich. Ziel war der 2877m hoch gelegene Pic du Midi de Bigorre in den französischen
Pyrenäen, um dort den Sternenhimmel unter idealen Bedingungen zu beobachten und zu fotografieren.


Von Recklinghausen (wo wir die anderen trafen) aus führte uns der Weg über den Kölner Ring nach Aachen, Lüttich und schließlich kamen wir nach etwa 8 stündiger Fahrt an Paris vorbei. Von dort ging es
weiter über Bordeaux nach Tarbes, wo wir uns nochmals mit Lebensmitteln eindeckten.
Da von hieraus bereits die Pyrenäen in Sichtweite lagen, wurden wir immer ungeduldiger.
In den späten Nachmittagsstunden begann dann die Auffahrt zum Pic du Midi. Zunächst hatten wir eine
geschlossene Wolkendecke, die aber auf halber Strecke aufriß und einen tiefblauen Himmel zum Vorschein brachte. Die nun aufgekommene Vorfreunde wurde allerdings wenige Kilometer vor unserem Endziel durch eine Kollision des Wohnmobils mit einem Felsvorsprung getrübt. Der Schaden, ein ca.
30-40 cm langer Riß im Dach konnte allerdings vor Ort provisorisch abgedichtet werden.

Kurz nach unserer Ankunft gegen 19:30 Uhr begannen wir dann mit dem Aufbau der Geräte und dem Feinjustieren der Montierungen.
Sehr eindrucksvoll war die kurze Zeit später einsetzende Abenddämmerung. Venus und sogar Jupiter waren bereits vor Sonnenuntergang am Himmel zu sehen. Mit zunehmender Dunkelheit traten dann die
Milchstraßenwolken, insbesondere die Zentralbereiche unserer Galaxie im Schützen und Scorpion immer eindrucksvoller in Erscheinung. Bereits in der Ankunftsnacht wurde bis um 1:30 Uhe beobachtet. Mit dem Wetter hatten wir besonders viel Glück. Acht von zehn Nächten waren klar, der Wind hielt sich in Grenzen und auch die Nachttemperaturen von +5 - +8°C waren angenehm.
In den folgenden Nächten entstanden hunderte Astrofotos, aber auch die visuelle Beobachtung kam hier nicht zu kurz. Interessant waren neben den vielen Gasnebeln und Sternhaufen aber auch die Galaxien in
den Sternbildern Fornax und Sculptor, da Diese in unseren geographischen Breiten nur sehr knapp über den Horizont kommen. Weil die Luft dort oben sehr ruhig war, konnten aber auch die Folgen des Kometeneinschlages auf Jupiter sehr gut beobachtet und fotografiert werden.
Die Beobachtungen fanden dann morgens so gegen 5:30 Uhr mit der Dämmerung ihr Ende. Im Osten zogen bereit die ersten Wintersternbilder auf. Auffälligstes Objekt am Morgenhimmel war, neben dem Mond in den ersten Tagen, der Planet Mars im Stier.

Aber auch am Tage gab es viel zu sehen. Neben der wunderbaren Hochgebirgslandschaft mit etlichen
Gletschern lag das Pic-Observatorium in greifbarer Nähe. Über einen steinigen Serpentinenweg kam man
nach gut 40 Minuten dort oben an.
Wenige Tage nachdem wir auf dem Pic du Midi angekommen waren, bekamen wir aus dem Observatorium Besuch. Es war ein deutscher Physikstudent aus Heidelberg. Wir wurden alle zu einer inoffiziellen Observatoriumsbesichtigung eingeladen. Wir konnten die besten Bilder der Kometeneinschläge auf Jupiter am Computerbildschirm des 1m Cassegrain-Teleskopes sehen,
Sonnenflecken und Protuberanzen an den Monitoren eines Koronografen. Das größte Teleskop auf dem Pic du Midi, den 2m Spiegel, konnten wir leider nicht besichtigen, da in seinem Brennpunkt eine hochempfindliche CCD-Kamera und der Raum gekühlt und staubfrei sein muß. Nach der mehrere Stunden dauernden Führung hatten wir viel dazugelernt.
Die meiste Zeit störte der Wind zwar nicht, aber eines morgens, wir hatten gerade eine halbe Stunde geschlafen, wurden wir durch einen Knall geweckt. Ein starker Sturm hatte das C8-Schmidt-Cassegrainteleskop von Stefan Lau umgeworfen. Größerer Schaden entstand aber nicht.

Für das leibliche Wohl wurde auch gesorgt: oft wurde gegrillt oder es gab Gerichte wie Tortelini in Sahnesoße, Pfannkuchen, Salate usw. In einer kleinen Berghütte, dem DeLaque, das wenige Meter tiefer als unserer Standort lag, hatten wir öfter mal einen heißen Kakao o.ä. getrunken. Außerdem gab es im DeLaque, außer in unseren Wohnmobilen, die einzige Toilette, die wir oft benutzen mußten, um das Wasser in den Fahrzeugen zu sparen (einige tauften die Berghütte von DeLaque in DeLakak um).

Nach ca. 6 Tagen ging der Wasservorrat trotzdem zuende, er wurde an einem nahen Gletscher schnell wieder aufgefüllt.
Oft wurde nach der anstrengenden Nacht vor dem Schlafen noch schnell eine Suppe heiß gemacht, die wir dann in der Dämmerung aßen. Meistens ließen wir das gebrauchte Geschirr draußen auf einem
Campingtisch stehen. Nach ein paar Tagen hatten das auch andere Bewohner des Berges mitbekommen. Wieder einmal wurden wir durch Krach von draußen geweckt, diesmal standen die Teleskope aber noch auf alle drei Stativ- bzw. Säulenbeinen, dafür lag unser Campingtisch auf der Seite, neben ihm stand ein blau-grün geflecktes Schaf mit der Zunge in einer jetzt leren Dose Erdnüsse. Andere Schafen hatten schon mal die Teller und Töpfe "vorgespült". Nach elf Tagen ging es dann wieder heimwärts. Obwohl wir die ein oder andere leidige Erfahrung gemacht haben, werden wir diese Exkursion alle zwei Jahre wiederholen, August 1998 zum dritten Mal.

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